Sonntag, 10. April 2011

Rezension (20) Der elektrische Kuss



Gebundene Ausgabe: 
384 Seiten 
Verlag: C. Bertelsmann Verlag (21. Februar 2011) 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3570100383 
ISBN-13: 978-3570100387 
 
Covertext:
Die junge pfälzische Landadelige Charlotte ist wie viele Menschen Mitte des 18. Jahrhunderts von den neuen naturwissenschaftlichen Entdeckungen fasziniert. Sie betreibt gefährliche Experimente, um dem Phänomen der Elektrizität auf die Spur zu kommen. Zwei Welten prallen aufeinander, als sie Samuel Hochstettler kennen lernt, der als Amischer einen radikalen Protestantismus lebt. Charlottes Freiheitsdrang und Samuels Glaubensfestigkeit zwingen die beiden, nach Amerika zu flüchten, um dort die verheißene Neue Welt zu suchen. Mit der dramatischen Überfahrt beginnt ein nicht minder aufregendes Experiment.
Statement:
Die 25-jährige Charlotte, eine junge Frau des Landadels, möchte nicht dass ihr vorgesehene Leben führen wie es ihre Mutter ihr vorlebt. Diese ist Mätresse am Hofe des Kurfürsten und hoffte, dass Charlotte irgendwann ihre Position einnimmt. Nein, so wollte Charlotte nicht leben. Sie interessierte sich für all die neuen wissenschaftlichen Entdeckungen ihres Jahrhunderts. Ihr Ziel war Wissenschaftlerin zu werden. Der junge Felix ordert für sie ohne Wissen des Fürsten Bücherpakete und so kann Charlotte sich ihren Experimenten hingeben. Obwohl vieles in den englischen Büchern ihr nicht fremd ist, der Reiz etwas Neues auszuprobieren war groß. „Ich bin Elektriker“, das war ihre Vorstellung, als Felix ihr erklärte, er sei Atheist. Das Phänomen Elektrizität zieht sich wie ein Faden durch die gesamte Handlung. Mit ihrer klaren und verständlichen  Schreibweise führt die Autorin den Leser in die Handlung.
Die Taktik von Charlotte, mit Felix eine Liebschaft einzugehen, nur um weiter mit Büchern versorgt zu werden, brachte mich zum Schmunzeln. Sie benutzte ihn, ohne Wenn und Aber, um ihren Wissensdurst zu stillen.
Während das erste Sommergewitter herannahte, schlich Charlotte sich aus dem Schloss und stellte sich der Naturgewalt, spielte mit ihr. Charlotte war gefangen in der Vorstellung, das Element Elektrizität zu erforschen. Als sich das Gewitter immer mehr entfaltet, die Blitze nur so auf die Erde hernieder gehen, wird Charlotte von einem Blitz getroffen.
Diesen Part der Beschreibung, wie und was alles mit Charlotte passierte, wie sie sich fühlte bzw. wie es sich anfühlte, ist absolut hervorzuheben. Als Leser meinte man mit Charlotte im Freien zu stehen,  und sich ebenfalls dem grandiosen Schauspiel hinzugeben. Als am gleichen Tag Graf von Manteuffel anreist, findet Charlotte sie in ihm einen Gesprächspartner, der sie nicht mehr loslässt. Graf von Manteuffel war ebenfalls „Elektriker“. Er erzählt Charlotte von einer neuen Maschine, durch die die Elektrizität schießen soll, die neue Elektriziermaschine. Die Waffen einer Frau, Charlotte war klug genug  und setzte sie gegenüber Graf von Manteuffel ein. Auf der Strecke aber blieb der, der ihren Wissensdurst immer wieder mit neuem Material versorgt hat: Felix.
In den darauf folgenden Kapiteln lernt der Leser die nach den Regeln der protestantischen Amisch lebende Bauernfamilie des Samuel Hochstettler kennen. Im 18. Jahrhundert waren die verschiedensten Glaubensgemeinschaften in den Ländern des Reiches angesiedelt. Die Amischleute fühlten sich ihren alten Traditionen verpflichtet, und ihr willensstarker Glaube an Gott trotzte jedem Zweifel.
Ihre Gemeinschaft wurde immer größer, doch obwohl sie dem Kurfürsten die Einkünfte sicherten, wurden die Amisch ihm allmählich ein Dorn im Auge. Sie waren ihm einfach zu viele geworden. Durch eine Begegnung mit Sarah, der Tochter des Amisch Samuel Hochstettler und seiner Frau Johanna, wird das Tor für einen späteren gemeinsamen Weg der beiden Hauptprotagonisten geöffnet. Charlotte und Samuel, zwei so ungleiche, in verschiedenen Welten lebende Menschen.  Durch die dramatische Rettung des Neugeborenen, der Johanna Hochstettler kostete die Geburt das Leben, kommen sie sich näher. Charlotte und Samuel verlieben sich ineinander, scheuen nicht die Konflikte, welche sich hieraus ergeben. Jedem Leser wird spätestens hier klar, dass auch in unserer Zeit diese Spannungen und Schwierigkeiten nichts an Härte und Unnachsichtigkeit verloren haben.
Währenddessen geht die Rücksichtnahme und Geduld im Land gegenüber dem Amischvolk  dem Ende entgegen und beide Protagonisten entschließen sich, nach Amerika auszuwandern. Charlotte, inzwischen schwanger, ist voller Zuversicht, dort die wahre Freiheit zu finden, ohne jegliche Vorurteile gegen die traditionellen Vorstellungen des Lebens einer Frau.
Auf ihrem weiteren Weg in Amerika bleiben sich beide sehr verbunden. Sie können nicht miteinander, aber auch nicht ohne. Charlotte bleibt ihrer Leidenschaft, der Wissenschaft, treu und verteidigt dieses standhaft; für Samuel dagegen ist das Wort Gottes, der tiefe Glaube, das ganze Glück.
Was mir sehr gut gefallen hat, ist die klare Schreibweise und Darstellung der Traditionen und der Amisch. Das ist der Autorin wirklich gut gelungen. Mit ihrem guten Schreibstil, dem am Anfang gelegten roten Faden, bis hin zum Ende, ist der Autorin ein ansprechender historischer Roman gelungen.
Fazit:
Ein Cover unter Verwendung eines historischen Porträts aus der National Portrait Gallery, London, macht neugierig.  Von meiner Seite her gab es bei Leseunterbrechungen keine Probleme, wieder in den Stoff einzusteigen. Sowohl die Darstellung und Beschreibung von vielen Dingen, hauptsächlich der beiden Protagonisten Charlotte und Samuel, aber auch das Leben, der Religion zu der damaligen Zeit sind de Autorin sehr gut und speziell gelungen. Man nimmt dem Roman nichts vorweg, dass es, wie sonst eigentlich üblich, kein normales Happy End gibt.
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der nicht nur die „normalen Bücher“ über die Wissenschaft, der Erfinder u.a.m. liest, sondern halt auch gern eingepackt in einen Roman. (Dazu gehöre ich, ohne Punkt und Komma). Es ist kein Buch für Leser, die nur den normalen, leichten Standard bevorzugen. Aber es kann neugierig machen und  hoffentlich Lust auf mehr. „Der elektrische Kuss“ war mein erstes Buch von Susanne Betz. Ich kann es wirklich empfehlen. 

Ich gebe dem Buch 5 Bucheulen


Nachtrag:
„Falkenjagd“ war das erste Buch von Susanne Betz und das hier rezensierte das zweite. Ich werde mir bei Gelegenheit das erste Buch aus der Bücherei ausleihen.
Und bei wikipedia findet ihr auch einen Artikel über den "Elektrischen Kuss".

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