Samstag, 30. April 2011

Rezension (32) Die Tortenbäckerin



Brigitte Janson
Die Tortenbäckerin
Historischer Roman

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch (1. Februar 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548282598 
ISBN-13: 978-3548282596

Hamburg 1895: Die junge Greta Voss hat großes Talent zum Kochen, und zwischen Töpfen und Pfannen fühlt sie sich am wohlsten. Als sie ihre Stellung als Hilfsköchin verliert, ist sie verzweifelt. Bis Siggo, ein Fuhrunternehmer, ihr neue Aufträge vermittelt, denn seine Mutter bringt ihr das Konditorhandwerk bei. Bald sind ihre Torten in der ganzen Stadt beliebt, und Greta könnte glücklich sein – gäbe es da nicht ein großes Geheimnis, das auf ihrer Seele lastet und ihre Liebe zu Siggo unmöglich macht.

Statement:
Inspiriert durch die Geschichte, das Leben ihrer Großmutter, hat die Autorin Brigitte Janson ihren ersten historischen Roman geschrieben. Greta, Anfang 20, lebt Ende des 19. Jahrhunderts in Hamburg. Als Hilfsköchin bei der Bankiersfamilie Hansen versieht sie ihren Dienst unter dem Kommando ihrer Tante Mathilde. Unglücklicherweise verliebt sie sich in Christoph, ein Sohn des Hauses. Das entspricht nicht den damaligen Traditionen. Beide teilen miteinander ein Geheimnis. Geschwängert vom ältesten Sohn der Bankiersfamilie musste Greta Lena, ihre blinde Tochter, in eine Pflegefamilie geben. Und diese waren nur auf das Geld aus. Lena wächst unter sehr schlechten Verhältnissen auf. Der historische Hintergrund, ihrem „fluffigen“ Schreibstil, einer sehr interessanten Geschichte, alles in allem gut gebacken, kommt ein gelungener Kuchen/Buch heraus. Viele Themen, rund um das Jahrhundert, vordergründig die Verwandlung Hamburgs durch den technischen Fortschritt, zeigt die Autorin auf die damaligen Gegensätze der Gesellschaft hin. Hier das Leben der Reichen, dort das Leben der Armen und des Mittelstands.
Greta entwickelt sich immer mehr zu einem Talent in der Küche. Sie ist experimentierfreudig, Neues gegen Altes, sehr zum Leidwesen ihrer Tante. Eine andere Leidenschaft, das Backen. Heutzutage, ausgestattet mit den modernsten Küchengeräten, kein großer Zeitaufwand. Aber damals harte, stundenlange Arbeit. Greta Voss, die Hauptperson, ist in meinen Augen keine typische Hamburgerin. Ich beurteilte das aber nur aus meiner Sicht. Seit fast 30 Jahren in der Nähe von Hamburg wohnend, sehr oft dort gewesen, sei es privat aber auch aus anderen Gründen, behaupte, in Greta fließt ne ganze Menge anderes Blut.
Zu gut für diese Welt, könnte man meinen. Aber nein, es gibt sie auch noch heute, diese gütigen Personen, umleuchtet von purer Energie, Liebe. Man muss sich einfach nur wohl fühlen in ihrer Gegenwart. Doch auch Greta hat ihre Ecken und Kanten. Und so hat die Autorin es durchwegs mit fast allen Charakteren des Romans gehandhabt. Irgendwie (fast) alle liebenswürdig und sympathisch.
Als Gretas Arbeitgeberin, die Bankiersfrau Hansen, beschließt ihren Sohn Christoph für ein Jahr nach Afrika zu schicken, zum einen um dort erwachsen zu werden, aber auch um eine Filiale der Bank aufzubauen, beginnt ein neuer Lebensabschnitt für Greta. Hintergrund für diese Maßnahme ist Missgunst und der Hass der Bankiersfrau, und um Greta in die Schranken ihrer Herkunft zu verweisen. Liebe und mehr zwischen Herrschaft und Bediensteten, unmöglich zu der damaligen Zeit. So verliert Greta ihren Job und muss sehen, wie sie in Zukunft ihren Lebensunterhalt verdient. Schließlich hat sie auch noch ihre kranke Mutter zu versorgen.
Durch einen Unfall, verursacht durch ihre Unaufmerksamkeit, lernt Greta Siggo, einen Fuhrunternehmer kennen. Dieser ist vom ersten Augenblick an in Greta verliebt. Er wird ihr auch behilflich sein auf der Suche nach einer neuen Arbeit. Mit ihm gelingt es Greta, ein eigenes Geschäft aufzubauen. Ein neues Leben?
Ihre weitere Leidenschaft, das Backen, wird von Siggos Mutter gefördert, denn Greta hat großes Talent als „Tortenbäckerin“ und macht sich einen Namen damit.
Wie sich dann die Geschichte weiter entwickelt, welche Wege in einem Irrgarten letztendlich zum Ziel führen? Die Fragen werden offen gelassen und sollen zum Lesen inspirieren.
Es ist kein normaler historischer Roman, auch keine „dieser“ Liebesgeschichten mit allem Herz und Schmerz.
Aus dem Backofen (bzw. der Schreibstube der Autorin) kommt ein nicht verbrannter Tortenboden. Im Laufe der Handlung wird er in mehrere Platten geschnitten, und zwischen jede gebackene Platte kommt eine andere Cremefüllung. Zusammengesetzt, mit etwas Aroma beträufelt, leicht locker geschlagene Creme zum Garnieren und als Farbtupfer oben drauf geröstete Mandeln oder Kirschen, je nach Geschmack ergeben das Endprodukt „Die Tortenbäckerin“.
Fazit:
Sich nicht aufzugeben, an sich selbst und seine inneren Stärken glauben, und die schweren Hürden im Leben zu meistern, ist ein Ergebnis aus dem Roman.
Ein gutes Debüt der Autorin in dem Genre. Mir gefiel ihre Schreibweise, flüssig, locker und gut zu lesen. Manche angeschnittenen Themen hätte ich gern etwas ausführlicher gehabt, aber vielleicht war es auch so von Brigitte Janson gewollt. Es macht neugierig und veranlasst zu eigenen Recherchen, wie was in der damaligen Zeit gewesen war.
Was ich nicht so passend fand, war das Cover. Es wäre angebracht, beim nächsten Buch besser darauf zu achten. Denn rein optisch und zumal das Buch meiner Meinung nach ein reines Frauenbuch ist, war es daneben gegriffen.
DAS AUGE ISST MIT!
Schmankerl zum Schluss die Rezepte und der Hinweis auf das Rezept der Bisquit-Apfeltorte.
Wer das Rezept vollständig einreicht, kann ein Buchpaket gewinnen.
Ein unterhaltsamer, empfehlenswerter, nicht ganz klassischer Historienroman.

Ich gebe dem Buch knapp 5 Bucheulen - halbe Eulen gibt es bei mir nicht :-)


Kommentare :

  1. Mir hat der Roman auch ganz gut gefallen!

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  2. Ja es ist ein wirklich gutes Buch :-)
    LG HANNE

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