Freitag, 20. Mai 2011

Rezension (39) Agnes Bernauer Hexe, Hure, Herzogin




Agnes Bernauer: Hexe, Hure, Herzogin
Manfred Böckl

Broschiert: 262 Seiten
Verlag: Sutton Verlag
Auflage: 1 (1. März 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 9783866807617
ISBN-13: 978-3866807617
EUR 12,00

Kurzbeschreibung
Die schöne Agnes lernt 1428 im Badehaus ihres Vaters einen ungewöhnlichen jungen Mann kennen. Sie weiß nicht, dass es sich um den Thronfolger des Herzogtums Bayern, Albrecht von Wittelsbach, handelt. Beide verlieben sich ineinander und heiraten heimlich. Doch Albrechts Vater Ernst, der Herzog von Bayern, fürchtet ob der unstandesgemäßen Heirat seines Sohnes mit einer Bürgerlichen um den Fortbestand der Wittelsbacher Dynastie. Als ihm Albrecht den Gehorsam verweigert und sich mutig zu seiner Liebe zu Agnes bekennt, eröffnet Ernst die Jagd auf die junge Frau.
Statement:
Agnes Bernauer lebte im 15. Jahrhundert als Tochter des Badehausbesitzers im damaligen Herzogtum Bayerns, genauer gesagt in Augsburg. Mit ihren siebzehn Jahren musste sie dort im väterlichen Betrieb als Bademagd arbeiten. Und die Reiberinnen – der damalige Ausdruck ist gut erklärt am Ende des Buches unter den Anmerkungen – waren teils nicht nur für die Waschungen zuständig, sondern dienten auch als Hure.
Das Schicksal der Agnes Bernauer ist geschichtlich belegt. Dort im Badehaus macht sie die Bekanntschaft mit dem damals sechsundzwanzigjährigen Herzog von Bayern-München, Albrecht von Wittelsbach. Dieser sieht in ihr mehr als die „Badhure“, erkennt ihre inneren Verletzungen, viel mehr noch etwas Geheimnisvolles, eine wunderbare Blume, die sich gern in ihrer wahren vollen Pracht entfalten möchte, der aber so oft die Blätter gerupft wurden. Agnes hatte ihn mit ihrer Lieblichkeit, ihrer Zärtlichkeit und durch ihre Schönheit verzaubert.
Diese für die damalige Zeit nicht standesgemäße Beziehung erreicht ihren Höhepunkt durch die heimliche Heirat. Aus dieser Verbindung geht eine Tochter hervor. Doch Albrechts Vater setzt alle Hebel in Bewegung, um Agnes in Misskredit geraten zu lassen. Er fürchtet durch diese nicht standesgemäße Beziehung um den Fortbestand der Wittelsbacher Dynastie.
Dem Autor ist es sehr gut gelungen, diesen interessanten Stoff, die historische Geschichte und das Schicksal der Agnes Bernauer, mit seinem eigenen Schreibstil ein neues Gesicht zu geben. Die damalige Sittenmoral, ausschweifende, ausartende erotische Orgien gehörten zur Tagesordnung.
Manfred Böckl bringt uns mit der Liebesgeschichte der Agnes Bernauer nicht nur die damaligen Lebensumstände nahe. Es gelingt ihm ebenso, geschichtliche Hintergründe, Machtspiele, Intrigen und Hass zwischen den Ländern, der einzelnen Häuser in klarer Ausdrucksform und gut gewählten Worten lebendig zu vermitteln. Die Freiheit des Schriftstellers, Handlungen mit seiner Wortwahl zu verbinden, sein Gedankengut mit zu verarbeiten und letztendlich als einen empfehlenswerten historischen Roman zu präsentieren, das ist „Agnes Bernauer: Hexe, Hure, Herzogin.“
Agnes Bernauer und Albrecht von Wittelsbach, eine Liebesgeschichte ohne Happy-End. Das Schicksal und die damalige Zeit, die Umstände, führten schließlich dazu, dass Agnes Bernauer als Hexe, Dirne und Teufelsbuhlin verurteilt und hingerichtet wurde. Beide Hauptcharakteren sind vom Autor sehr gut beschrieben, jeder für sich eine eigene Persönlichkeit voller Unterschiede – allein schon durch ihren Lebensstand – ihrer unstandesgemäßen Liebe.
Fazit:
Die historisch belegte wahre Geschichte der Baderstochter Agnes Bernauer, kein leichter Stoff für mal eben zwischendurch. Wer sich für Geschichte interessiert und gern historische Romane liest, ist bei diesem Roman bestens aufgehoben. Das Schicksal von Agnes berührt, man leidet mit, möchte eingreifen, doch es zeigt dem Leser auch, dass das Leben in der damaligen Zeit hart, sehr hart war.

„Sie ist dein Weib – weil sie deine einzige Liebe ist!“ (S. 137)

Ich vergebe 5 Bucheulen.
Vielen Dank an den Sutton-Verlag für ein weiteres Leseexemplar.
 


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