Freitag, 17. Juni 2011

Rezension (54) Perdita

Rezension # 54
Gail Jones - Perdita





Gail Jones
Perdita
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
Auflage 2011
Kartoniert
Seiten:  256
Sprache: Deutsch
ISBN 978-3-423-14001-0
Übersetzerin: Conny Lösch
€ 9,90

Klappentext (lt. Verlag):
Australien, Anfang der vierziger Jahre. Eine Hütte in der australischen Wildnis voller Zeitungsausschnitte über den Krieg in Europa und vermodernder Bücher, in denen Schlangen nisten. Ein verschrobener Anthropologe und seine wahnsinnige Frau, die aus Englang hierher emigriert sind. Er, angeblich um die Welt der Ureinwohner zu erforschen, sie, weil ihr nach der Heirat keine andere Wahl blieb. Die gemeinsame Tochter Perdita, ein ungewünschtes, ungeliebtes Kind, wächst inmitten eines Universums aus Shakespeare-Zitaten und europäischer Halbbildung heran. Doch zugleich ist sie eingebettet in das Wissen und die Wärme der australischen Ureinwohner. Ihre engsten Freunde und Ersatzgeschwister sind Bill, der taubstumme Nachbarsjunge und die Aborigine-Waise Mary, das Hausmädchen der Familie. Und so ist Perditas Welt im Lot – bis zu dem Tag, als ihr Vater ermordet aufgefunden wird. Perdita verliert ihr Gedächtnis und kann fortan nur noch stottern. Erst als sie gezwungen ist, sich an die wahren Umstände des Mordes zu erinnern, findet sie die Sprache wieder …
Statement:
Sterben – Schlafen – Schlafen!
Vielleicht auch träumen! – Ja, da liegt’s:
Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen,
Wenn wir den Drang des Ird’schen abgeschüttelt,
Das zwingt uns still zu stehn.
(S. 189/190)
Warum beginne ich hiermit, einem Vers aus dem Hamletmonolog von Shakespeare. Nun, ich war beeindruckt, genau wie auch Doktor Oblov von dem einwandfreien, nicht gestotterten, Vortrag Perditas. Perdita, dieses arme, kleine Mädchen. Sie war kein Wunschkind ihrer Eltern gewesen, beide hoben sich ab von ihrer Umwelt, in der sie lebten.
Nicholas, der komische Kauz, Anthropologe, das Wissen der Ureinwohner Australiens wollte er erforschen, doch was er tat, hatte mit all dem nichts zu tun, und Stella, seine Frau, Perditas Mutter, geflohen in die Welt der Bücher, des William Shakespeare, keine gute Mutter.
William Shakespeare begleitet den Leser durch die gesamte Handlung.
Mit „Perdita“ („Sorry“ ist der Titel der englischen Originalausgabe) führt Gail Jones seinen Lesern in einem hochkarätigen, sehr gelungenen Roman, die damaligen Lebensumstände des australischen Urvolkes vor Augen. Die „gestohlene Generation“, wie es in der Anmerkung heißt, das Leid, diese tiefe Kluft zwischen dem Urvolk mit seinen tief verwurzelten Traditionen, zu den Weißen.
„Perdita“ ist mehr als nur eine Geschichte, ein Buch, es ist ein Stück der australischen Geschichte, aus der dann schließlich der National Sorry Day hervorgegangen ist. Fast zehn Jahre nach dem ersten Nationalfeiertag Sorry Day gab es erst die offizielle Entschuldigung der australischen Regierung an die Ureinwohner Australiens für all das Leid, welches ihnen zugefügt worden war. Perdita, die Protagonistin, lebt in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts mit ihren Eltern im dünn besiedelten Westaustralien. Sie schafft sich dort eine eigene Welt, ihre kleine Familie, mit Mary, dem Aboriginemädchen, und Bill, der taubstumme Nachbarsjunge. Mary arbeitete als Hausmädchen bei Perditas Eltern, deren Charaktere die Autorin exzellent und deutlich beschrieben hat.
Nicholas mit seinen zwei Gesichtern, sowie Stelle, schwach und fern in anderen Welten, letztendlich endet sie im Wahnsinn.
Alles, was zu einer liebevollen Familie gehört, erfährt Perdita nicht von ihren Eltern. Wärme und Zuneigung, das alles kommt von außen.
Gail Jones hat durch ihren poetischen, doch sehr klaren Schreibstil die Charakteren, die Handlung, so dargestellt, dass der Leser durch die Wortwahl, der lebendigen Schilderungen Gefühle empfindet, Emotionen freigesetzt werden und man tief mit in die Handlung einbezogen wird.
„Wie viel Zeit liegt in einem Wort“ (S. 238)
Die kleine heile Welt von Perdita bricht zusammen, als Nicholas erstochen aufgefunden wird und Mary, die Aboriginewaise, die Schuld auf sich nimmt. Von nun an ändert sich Perditas Leben, sie verstummt, und wenn sie spricht, dann ist es nur noch ein Stottern. So flüchtet sie immer mehr in die Welt der Bücher.
Der Zweite Weltkrieg tobt in Europa und die Welt verändert sich. So nun auch für Perdita und ihre Mutter. Sie werden evakuiert und kommen in eine Stadt, die für Perdita so fremd ist. Auf der Schule ist sie ein Außenseiter, wird schikaniert, denn sie redet kaum, und wenn dann ist es nur Stottern. Ein glücklicher Umstand – eine Lebensveränderung für Perdita – ergibt sich, als Stella erneut in die Klinik eingewiesen wird, und dort trifft Dr. Oblov auf das Kind. Mit seiner Hilfe, seinem Vertrauen, gelingt es, dass Perdita sich öffnet, sich erinnert, den Schmerz zuzulassen, den die Erinnerungen bringen. Der Tag, an dem alles begann – Der Tag, an dem ihr Vater ermordet wurde.
Fazit:
Was kann die menschliche Seele alles aushalten!
Reflektionen des Lebens, lebendige Worte, poetisch, Emotionen, Gefühle, die Aufzeichnung könnte endlos werden.
Dieses Buch ist wirklich mehr als nur eine Geschichte.
Nein, diese Geschichte regt auch zum Nachdenken an.
Diese uralte Kultur der Ureinwohner Australiens ist mit etwas Besonderes und führt dem Leser wieder einmal vor Augen, wie schnell und leicht wir – die Menschen, die Welt – etwas zerbrechen oder aber auch schon zerbrochen haben, was sich kaum noch reparieren geschweige heilen lässt.
Denn es ist nicht nur die Kultur der Aborigines, sondern noch viele andere wie z. B. die der Indianer – und … und … -, die der Mensch in seiner Gier, seiner Sucht nach Macht zerstört hat.
Persönliches:
Dieses ist meine erste Rezension mit einem sehr persönlichen Nachwort. Die Erklärung hierfür findet sich darin, dass ich schon seit vielen Jahren von diesem besonderen Land Australiens, seiner Ureinwohner, fasziniert bin. Allerdings muss ich gestehen, ich war noch nie dort.
Es sind nicht nur ihre Mythen, ihre Kultur,
Es ist etwas Ungewöhnliches, Magisches,
Faszinierendes –
Mein Persönlicher Traumpfad!
Meine kleine "Sonnenfee" hat ihren Namen von der Sonnenmutter der Aborigines – Alinga.

Ich vergebe 6 Bucheulen.


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