Samstag, 13. August 2011

Rezension (71) Tochter des Meeres


Metin Arditi
Tochter des Meeres
Taschenbuch
Seiten 256
Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Mai 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423212861
Übersetzerin: Claudia Steinitz
€ 9,95

Buchrücken:
Spetses – eine kleine griechische Insel in den fünfziger Jahren. Zwei Brüder kommen bei einem rätselhaften Unfall auf dem Meer ums Leben. Pavlina und Aris, die Kinder der Brüder, wachsen wie Geschwister auf, eng verbunden durch ihre Liebe zum Meer. Als Pavlina siebzehn ist, verliebt sie sich in ihren Cousin und es kommt zu einer Liebesnacht  zwischen den beiden, einer Nacht, die alles verändert im Leben der jungen Griechin …
Statement:
Schon von Beginn der Handlung an versteht es der Autor Metin Arditi, den Leser an seine Geschichte zu fesseln. Durch die bildliche Darstellung, die Schilderung der Schauplätze fühlt man sich zurückversetzt in das Griechenland Mitte des 20. Jahrhunderts. Handlungsort ist die Insel Spetses, die Welt der Fischer auf Spetses und einer tragischen Familiengeschichte. Was zu Beginn wie ein Unglücksfall aussieht und geschildert wird, bei dem beide Brüder Spiros und Nikos Louganis ums Leben kommen, stellt sich letztendlich als Selbstmord und Mord da. Im Jahr 1930 verlassen beide Brüder ihre Heimatinsel, auf der Suche nach neuer Arbeit, neues Glück, von einer Insel zur anderen, bis sie schließlich im Januar des darauffolgenden Jahres auf der Insel Spetses beim Kloster um Arbeit nachfragen
Seit dem 12. Jahrhundert lebten auf Spetses Albaner, die vor der Zwangsislamisierung durch die Ottomanen geflohren waren und deren Nachfahren den Türken gegenüber eine heftige Abneigung bewahrten (S. 16 2. Abs.).
Für das Kloster waren die beiden ein Glücksgriff. Sie schuften bis zum Umfallen, um das Klostergelände wieder urbar zu machen. Spiros verliebt sich in Magd, die albanischer Abstammung ist und heiratet sie mit Erlaubnis der Klostervorsteherin. Magda wiederum verkuppelt Nikos mit Fotini, die mit sieben Jahren ins Kloster kam. Arbeitsam wie beide Brüder waren, gelingt es ihnen, sich durch ihre Fischerei einen gewissen Wohlstand zu verschaffen. Erst ein Stück Land, dann ein großes, zweistöckiges Haus für beide Paare zusammen.
Fotini und Niko haben gerade ihr erstes Kind bekommen, einen Sohn, Aris. Etliche Jahre später kommt Pavlina zur Welt, Tochter von Spiros und Magda. Doch ist sie wirklich seine Tochter? Spiros Zweifel werden immer größer. Pavlina, ein echtes Kind von Kaymnos, der Insel, von der er, Spiros, stammte. Nicht nur er, auch sein Bruder Nikos. Nach einer schlimmen Nacht der Zweifel zwingt er seine Frau zur Wahrheit. Ein sorgsam gehütetes Geheimnis kommt nunmehr zutage. Noch am gleichen Tag kommt es zum Mord und Selbstmord.
Wenige Jahre später, nach dem Verlust der beiden Ehemänner, der beiden Väter, beginnt Pavlinas Geschichte. Die Familie bringt das Schiff wieder auf Vordermann für die Touristen, die auf die Insel kommen. Pavlina ist in Aris verliebt, doch dieser liebt Männer. Das hält sie nicht ab, ihn in einer Nacht zu verführen. Sie wollte immer nur Aris. Nach dem sexuellen Akt geht Aris ins Wasser und ertrinkt. Pavlina ist von ihm schwanger geworden, doch sie muss ihr Kind zur Adoption freigeben. Sie beide, Aris und Pavlina, sind Geschwister, aber beide kannte das Geheimnis nicht. Pavlina sucht ihr ganzes Leben nach ihrem Kind, das Ergebnis ihrer verlorenen Liebe zu Aris.
Es geschieht nicht oft, dass mich ein Buch derart in den Bann gezogen hat, um es in eins durchzulesen. Anhand der knapp 256 Seiten war das nicht so problematisch, als wenn ich ein Buch mit 400 Seiten und mehr vor mir liegen habe.
Der Autor hat in „Tochter des Meeres“ eine Tragödie beschrieben, wie sie sich auch heutzutage zutragen könnte. Themen u. a. Liebe, Homosexualität, aber auch Hass und Mord finden sich hierin wieder. Metin Arditi hat eine sehr berührende Art zu schreiben.
Fazit:
„Tochter des Meeres“ entspricht nicht der normalen Vorstellung eines Liebes- bzw. Frauenromans. Wer etwas anderes, außergewöhnliches lesen möchte, nicht diese normalen Herzschmerzgeschichten, Liebe und Freundschaft schätzt, der sollte diese Lektüre nicht verpassen.
Eine besondere Kunst des Schreibens, vor allem der Übersetzerin sei Dank, ein Lesegenuss.
Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag dtv .

Ich vergebe 5 Bucheulen

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